Starkes Herz und fitte Lunge dank Tai-Chi

Original Titel:
Tai Chi can prevent cardiovascular disease and improve cardiopulmonary function of adults with obesity aged 50 years and older: A long-term follow-up study

 
Kurz & fundiert

Wissenschaftler aus China untersuchten die langfristigen Auswirkungen von Tai-Chi-Übungen bei älteren Personen mit Adipositas

  • Personen, die die Tai-Chi-Übungen ausführten, nahmen nicht nur Gewicht ab, sondern besserten auch ihre Herz- und Lungengesundheit und erkrankten in der Folge seltener

 

DGPChinesische Wissenschaftler zeigten mit ihrer Studie, dass sich Tai-Chi-Übungen für ältere Personen mit Adipositas sehr gut eignen, um abzunehmen und die Herz- und Lungengesundheit zu verbessern.

Tai-Chi ist eine asiatische Kampkunstart und weist eine jahrtausendlange Geschichte auf. Tai-Chi ist vielseitig und umfasst neben Übungen aus dem Kampfsport auch Entspannungs-, Atem- und Meditationsübungen.

Wissenschaftler aus China prüften nun mit einer Studie, inwiefern stark übergewichtige (= adipöse) Erwachsene mithilfe von Tai-Chi-Übungen ihre Herz- und Lungengesundheit verbessern können. Die Wissenschaftler rekrutierten 120 adipöse Erwachsene für ihre Studie und teilten diese zur Hälfte auf eine Tai-Chi-Übungsgruppe und eine Kontrollgruppe (ohne Tai-Chi-Übungen) auf. Alle Studienteilnehmer waren 50 Jahre oder älter.

Verbesserte Lebensqualität dank Tai-Chi

Nach 2 und 6 Jahren analysierten die Wissenschaftler, wie sich wichtige Gesundheitsparameter in den beiden Gruppen entwickelt hatten. Dabei zeigte sich, dass die Personen aus der Tai-Chi-Gruppe im Gegensatz zu den Personen aus der Kontrollgruppe ihren Blutdruck, ihren Taillen- und Hüftumfang sowie ihr Gewicht und ihren Body Mass Index (BMI) reduzieren konnten. Auch in Punkto Herz- und Lungengesundheit schnitten die Personen aus der Tai-Chi-Gruppe nach den 6 Jahren besser ab: neben der Lungenfunktion waren z. B auch die Vitalkapazität und die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit verbessert. Personen aus der Tai-Chi-Gruppe starben deutlich seltener und litten seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Tai-Chi-Übungen eignen sich somit sehr gut für ältere Personen mit Adipositas. Durch die Übungen nahmen die Personen Gewicht ab und besserten die Gesundheit von Herz und Lunge. Dadurch wurden Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduziert und die Sterblichkeit minimiert.

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Autor:

Sun L, Zhuang LP, Li XZ, Zheng J, Wu WF. Tai Chi can prevent cardiovascular disease and improve cardiopulmonary function of adults with obesity aged 50 years and older: A long-term follow-up study. Medicine (Baltimore). 2019 Oct;98(42):e17509. doi: 10.1097/MD.0000000000017509.

Tai Chi macht gesünder

 Original Titel: Effects of tai chi on physiology, balance and quality of life in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis

DGP Eine Analyse chinesischer Wissenschaftler zeigte, auf welch vielfältige Weise Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren, wenn sie die asiatische Kampfkunst Tai Chi ausüben. Die Patienten besserten ihre Blutzuckerkontrolle, nahmen ab und hatten beispielsweise einen besseren Blutdruck.



Tai Chi, auch Schattenboxen genannt, ist eine Kampfkunst aus Asien. Bei den Übungen stehen fließende, ineinander übergehende Bewegungen im Vordergrund. Weitere Elemente des Tai Chi umfassen Übungen im Stehen, Atemübungen und die Meditation.

Wissenschaftler aus China fassten in ihrer Studie die Vorteile von Tai Chi für Typ-2-Diabetes-Patienten zusammen. Für ihre Analyse durchsuchten die Wissenschaftler in medizinisch-wissenschaftlichen Datenbanken nach Studien, die zu diesem Thema durchgeführt wurden und fassten diese zu einem Gesamtergebnis zusammen. Insgesamt 23 Studien mit 1235 Personen standen zur Auswertung zur Verfügung.

Besserer Langzeitblutzuckerwert dank Tai Chi

Patienten mit Typ-2-Diabetes, die Tai Chi-Übungen praktizierten, erlebten zahlreiche gesundheitliche Verbesserungen. Sowohl der Blutzuckerwert im nüchternen Zustand als auch der Langzeitblutzuckerwert (bekannt als HbA1c-Wert) wurden verbessert. Personen, die Tai Chi praktizierten, nahmen außerdem Gewicht ab. Auch die Blutdruckwerte und die Blutfette verbesserten sich. Daneben wirkten sich die Tai Chi-Übungen auf einige Facetten der Lebensqualität, wie die körperliche Funktion, Schmerzen im Körper und die soziale Rolle, positiv aus. Auf die Insulinkonzentration im Nüchternzustand und die Balance hatten die Tai Chi-Übungen hingegen keinen positiven Einfluss.

Typ-2-Diabetes-Patienten, die Tai Chi-Übungen praktizierten, erfuhren dadurch zahlreiche gesundheitliche Verbesserungen. Ihre Blutzuckerkontrolle besserte sich ebenso wie der Blutdruck und die Blutfette. Außerdem wirkte sich Tai Chi positiv auf das Körpergewicht und einige wichtige Facetten der Lebensqualität aus.

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Referenzen:

Zhou Z, Zhou R, Zhu Y, Li K, Luo Y, Zhang Z, Luan R. Effects of tai chi on physiology, balance and quality of life in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis. J Rehabil Med. 2019 Apr 10. doi: 10.2340/16501977-2555. [Epub ahead of print]

Qigong hilft Brustkrebsüberlebenden

Original Titel:
The health effects of Baduanjin exercise (a type of Qigong exercise) in breast cancer survivors: A randomized, controlled, single-blinded trial

 

DGPChinesische Wissenschaftler zeigten mit ihrer Studie, dass Baduanjin-Übungen (eine Form von Qigong) einen wertvollen Beitrag bei der Regeneration von Brustkrebsüberlebenden leisten könnten. Frauen, die die Übungen über 6 Monate lang ausübten, wiesen z. B. Verbesserungen bei der Beweglichkeit der Schulter, eine höhere Lebensqualität und weniger Depressionen auf.

Qigong umfasst Übungen für Atmung, Bewegung und Meditation. Qigong stammt aus China und wird heutzutage auf der ganzen Welt praktiziert. Es gibt verschiedene Formen des Qigong. Baduanjin (auch Ba Duan Jin) z. B. ist ein Set aus 8 Bewegungs-Übungen, die die Organe des Menschen stärken sollen. Bei allen Übungen wird auf eine tiefe Ein- und Ausatmung geachtet.

Wissenschaftler aus China interessierten sich in ihrer Studie dafür, ob Baduanjin-Übungen einen Mehrwert für Brustkrebsüberlebende darstellen. Dazu untersuchten sie, ob die Übungen die körperliche und psychologische Regeneration von Brustkrebsüberlebenden beeinflussen.

Was kann man bei der Regeneration mithilfe von Baduanjin-Übungen erreichen?

86 Frauen nahmen an der Studie teil und wurden auf 2 Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 mit 46 Frauen kam in den Genuss der Baduanjin-Übungen, die 6 Monate lang täglich praktiziert wurden – an 3 Tagen der Woche im Krankenhaus und an den restlichen 4 Tagen von zu Hause aus. Die anderen 40 Frauen gehörten einer Kontrollgruppe an und sollten während der Studienteilnahme lediglich ihre übliche sportliche Aktivität ausüben.

Nach den 6 Monaten sahen die Wissenschaftler Folgendes: die 46 Brustkrebsüberlebenden, die die Baduanjin-Übungen praktizierten, wiesen eine bessere Herzfrequenzvariabilität (Fähigkeit, die Frequenz des Herzrhythmus zu variieren) auf und konnten ihr Schulter besser bewegen als die Frauen der Kontrollgruppe. Auch die Lebensqualität und Depressionen wurden stärker verbessert, wenn die Frauen Baduanjin ausübten. Im Hinblick auf weitere Aspekte wie z. B. Gewicht, Lungengesundheit oder Ängste sahen die Wissenschaftler allerdings keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Die Wissenschaftler leiteten folgende Schlussfolgerung aus diesen Ergebnissen ab: Baduanjin-Übungen könnten die Rehabilitation von Brustkrebsüberlebenden bereichern. Denn die Frauen, die diese chinesischen Bewegungs-Übungen über 6 Monate lang praktizierten, wiesen verschiedene körperliche und psychologische Verbesserungen auf.

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 Referenzen:

Ying W, Min QW, Lei T, Na ZX, Li L, Jing L. The health effects of Baduanjin exercise (a type of Qigong exercise) in breast cancer survivors: A randomized, controlled, single-blinded trial. Eur J Oncol Nurs. 2019 Apr;39:90-97. doi: 10.1016/j.ejon.2019.01.007. Epub 2019 Feb 2.

Beginnende vaskuläre Demenz und Beeinträchtigung der Denkleistung

Mit der Kampfkunst Qigong zu einer besseren Hirnleistung

Original Titel:
Breath Qigong Improves Recognition in Seniors With Vascular Cognitive Impairment

DGP – Bei Patienten mit vaskulärer Beeinträchtigung der Denkleistung oder vaskulärer Demenz sind die Blutgefäße im Gehirn Ursprung der Symptome. Diese Betroffenen profitierten von der chinesischen Bewegungsform Qigong, fand die vorliegende Studie. Nach einem 3-monatigen Qigong-Training verbesserte sich nämlich die Hirnleistung der Betroffenen.

Qigong ist eine chinesische Bewegungsform, die einen festen Platz in der traditionellen chinesischen Medizin einnimmt. Sie zeichnet sich durch langsame, fließende Körperübungen aus. Durch gezielte Atemübungen, Körper- und Bewegungsübungen, Konzentrationsübungen und Meditationsübungen sollen die Selbstwahrnehmung, der Gleichgewichtssinn, die Beweglichkeit, das Körpergefühl und die Konzentration und Merkfähigkeit verbessert werden. Aus diesem Grund hegten Wissenschaftler aus China den Verdacht, dass Qigong die Hirnleistung von Patienten mit vaskulärer geistiger (kognitiver) Beeinträchtigung auch verbessern könnte. Bei diesen Patienten mit frühen Symptomen der vaskulären Demenz sind Veränderungen an den Blutgefäßen und damit der Blutversorgung im Gehirn Ursache für die Beeinträchtigung der Denkleistung. Um dies zu überprüfen, führten sie eine Studie in einem Krankenhaus in Tianjin (China) durch. Als positive Kontrolle, deren Wirkung bereits bekannt ist, wurde ein Denktraining genutzt.

Senioren mit vaskulärer Beeinträchtigung der Denkleistung nahmen entweder an einem Denktraining, an Qigong oder an beidem teil.

Insgesamt 93 ältere Patienten mit vaskulärer Beeinträchtigung der Denkleistung nahmen an der Studie teil. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Während die erste Gruppe Bewegungsübungen nach Qigong durchführten, nahm die zweite Gruppe stattdessen an einem Denktraining teil. Die dritte Gruppe bekam stattdessen eine Kombination beider Maßnahmen. Die Behandlungen wurden drei Monate lang durchgeführt. Zu Beginn der Studie und nach den drei Monaten wurde verschiedene Tests durchgeführt, sodass verschiedene Hirnleistungen wie z. B. das Gedächtnis vor und nach den Maßnahmen miteinander verglichen werden konnten.

Sowohl das Denktraining als auch Qigong verbesserten die Hirnleistung der Teilnehmer

Bei der Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass die Patienten sowohl von Qigong als auch von dem Denktraining einzeln, aber auch von der Kombination beider Maßnahmen profitieren konnten. Bei allen drei Patientengruppen verbesserten sich nämlich die allgemeine Denkleistung, das Gedächtnis und die Fähigkeit, alltägliche Probleme lösen zu können. Auch die exekutive Funktion der Patienten verbesserte sich in allen drei Gruppen. Mit sämtlichen Behandlungen wurde demnach die Kontrolle und Steuerung des eigenen Verhalten, von Emotionen und Gedanken verbessert.

Die Kampfkunst Qigong stellt somit eine einfache und kostengünstige Möglichkeit dar, mit der Patienten mit vaskulärer Demenz oder Beeinträchtigung der Denkleistung ihre Hirnfunktion verbessern könnten.

 

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Referenzen:
Niu Y, Wan C, Zhou B, Zhang J, Ma H, Bo Y, Zhang Y, Liu H. Breath Qigong Improves Recognition in Seniors With Vascular Cognitive Impairment. Altern Ther Health Med. 2019 Jan;25(1):20-26.

Meditative Sportarten Tai Chi, Qigong und Yoga:

gut für vieles, auch gegen Depressionen

Original Titel: Effects of Meditative Movements on Major Depressive Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

DGP – Zusammenfassend zeigte sich in dieser Metaanalyse, dass meditative Bewegungen aus Tai Chi, Qigong und Yoga wertvolle ergänzende Methoden bei der Behandlung von Depressionen sein können. Die Ergebnisse zeigten Linderung von depressiven und Angstsymptomen, häufigere Symptomfreiheit bei den Teilnehmern mit Bewegung als ohne sowie häufigeres Ansprechen auf die grundlegende Behandlung mit der begleitenden Bewegungsintervention.

Tai Chi, Qigong und Yoga gehören zu den populärsten ergänzenden Methoden zur Linderung von Muskel- und Skelettschmerzen, zur Verbesserung der Schlafqualität und zur Senkung des Blutdrucks. Bei einer Migräneerkrankung können diese Sportarten viel Gutes bewirken: Verspannungen können gelockert werden, regelmäßige Bewegung dient der Migräneprophylaxe und die meditativen Eigenschaften von Tai Chi und Co. bieten eine ganz eigene Chance zur Entspannung des angespannten Migränegehirns. Wie gut diese Sportarten mit ihren meditativen Bewegungen zur Behandlung einer Depression geeignet sind, ist bisher allerdings noch nicht ganz klar.

Meditative Sportarten: gut für vieles, aber auch gegen Depressionen?

Chinesische Wissenschaftler untersuchten daher nun, ob die drei meditativen Sportarten Tai Chi, Qigong und Yoga in wissenschaftlichen Untersuchungen messbare Effekte auf depressive Symptome zeigten. Dazu ermittelten sie Veröffentlichungen zu diesem Thema in sieben medizin-wissenschaftlichen Datenbanken (SPORTDiscus, PubMed, PsycINFO, Cochrane Library, Web of Science, CNKI und Wanfang). Für ihre anschließende Analyse der gesammelten Ergebnisse (eine sogenannte Metaanalyse) nutzten sie ausschließlich Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien, in denen also die Sportarten als Behandlungsmethode im Vergleich zu einer Kontrollmethode betrachtet wurden. Typischerweise wurde eine ‚passive‘ Kontrolle eingesetzt, bei der die Teilnehmer also keine Bewegungsanregungen erhielten.

Metaanalyse von Vergleichen meditativer Bewegungsintervention mit passiven Kontrollen

Mit Hilfe einer Qualitätsbewertung der Studien grenzten die Wissenschaftler die Zahl der analysierten Studien stärker ein. Die Einschätzung der Qualität einer solchen Untersuchung bezieht sich dabei auf Faktoren wie das Studiendesign, die Zahl der Studienteilnehmer oder ob ein persönliches (z. B. finanzielles) Interesse der jeweiligen Forscher an einem bestimmten Studienergebnis vorlag. Dies kann nämlich anzeigen, ob ein Ergebnis auch ein Zufallsbefund sein könnte (z. B. aufgrund geringer Teilnehmerzahlen), der sich in weiteren Studien nicht bewahrheiten könnte, oder ob die jeweilige Untersuchungsmethode eventuell ein Ergebnis wahrscheinlicher gemacht hat (z. B. aufgrund einer technisch ungeeigneten Methode). Solche Faktoren, die bestimmte Ergebnisse verstärken können, nennt man auch bias.

Studienqualität: Ausschließen einer Voreingenommenheit (sogenannter bias)

Die Forscher identifizierten 15 Studien von einer moderaten bis hohen Qualität, also mit relativ geringem Risiko eines bias, einer Voreingenommenheit für das ein oder andere Ergebnis. Insgesamt fand sich im Vergleich der Studiendaten ein messbarer Effekt der meditativen Sportarten auf den Schweregrad der Depressionen. Auch Ängste, die häufig mit Depressionen einhergehen und sie verstärken können, wurden durch die Bewegungsformen messbar gelindert.

Meditative Bewegungsinterventionen (im Vergleich zu passiven Kontrollen, ohne Bewegungsintervention) erhöhten die Zahl der Betroffenen, die in Remission gingen – also anschließend frei von depressiven Symptomen waren – um fast das Siebenfache (odds ratio 6,7). Ebenso erhöhte sich in diesem Vergleich mit der meditativen Bewegung auch die Zahl der Patienten, deren Symptome sich deutlich verbesserten, die also auf diese ergänzende Intervention ansprachen (die Wahrscheinlichkeit für Verbesserungen verfünffachte sich: odds ratio 5,2).

Fazit: Meditative Bewegung kann Depressionen und Ängste lindern

Zusammenfassend zeigte sich in dieser Metaanalyse also, dass meditative Bewegungen aus Tai Chi, Qigong und Yoga wertvolle ergänzende Methoden bei der Behandlung von Depressionen sein können. Die Ergebnisse zeigten Linderung von depressiven und Angstsymptomen, häufigere Remission bei den Teilnehmern mit Bewegung als ohne sowie häufigeres Ansprechen auf die grundlegende Behandlung mit der begleitenden Bewegungsintervention. Die Methoden selbst sind sicher und einfach erlernbar und durchführbar – dank der Vielzahl von Kursen und digitalen Informationsmöglichkeiten können sie auch von zuhause kostengünstig (sogar kostenlos) durchgeführt werden. Damit bieten sich solche Sportarten zur Unterstützung bei depressiven Symptomen für jeden Betroffenen und jede Altersgruppe an.

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Referenzen:

Zou L, Yeung A, Li C, et al. Effects of Meditative Movements on Major Depressive Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Clin Med. 2018;7(8):195. doi:10.3390/jcm7080195.

Tai Chi Schattenboxen gegen Depression

Original Titel: A Pilot, Randomized Controlled Study of Tai Chi With Passive and Active Controls in the Treatment of Depressed Chinese Americans.

Depression ist eine psychische Störung mit hoher Prävalenz - mehr als jeder 10. Mensch westlicher Länder erleidet mindestens eine depressive Episode in seiner Lebenszeit. Die Erkrankung geht mit hoher Belastung für Patienten, Angehörige und die Gesellschaft einher. Neben Medikationen wurde Sport wiederholt als wirksame, auch vorbeugende, Maßnahme bei Depression beschrieben.

Ziel der Arbeit von Yeung und Kollegen (2017) war es, in einer randomisierten klinischen Pilotstudie die Effektivität speziell des chinesischen Volkssports Tai-Chi, mit Elementen von Atemübungen, Kampfsport und Meditation, als Hauptbehandlung für chinesisch-stämmige US-Amerikaner mit Depression zu untersuchen.

67 chinesische Amerikaner mit nach DSM-IV diagnostizierter Depression und bisher ohne Behandlung für diese Erkrankung wurden als Teilnehmer für die Studie zwischen März 2012 und April 2013 rekrutiert. Die Patienten wurden zufällig in eine von drei 12-wöchigen Maßnahmen eingeteilt, eine mit Tai-Chi-Behandlung, eine Unterrichtsmaßnahme, und eine Warteliste (also ohne Behandlung). Untersucht wurden die Gruppen mit der 17 -Punkt Hamilton Depressionsbewertungsskala (HDRS). Positive Ergebnisse wurden als mindestens 50ige Abnahme des Gesamtwertes dieser Bewertung definiert, Remission (Symptomfreiheit) als HDRS- Wert <=7.

Die Teilnehmer waren zu 72 weiblich, das mittlere Alter betrug 54 (+- 13) Jahre. Es wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet. Nach Ende der 12-wöchigen Intervention betrugen positive Effektraten 25 (Warteliste), 21 (Lerngruppe), und 56 (Tai-Chi). Remissionsraten lagen bei 10 (Warteliste), 21 (Lerngruppe), und 50 (Tai-Chi). Die Effekte wurden mit dem Quotenverhältnis (OR) beschrieben, das angibt, wie stark zwei Messungen miteinander zusammenhängen - je näher das Quotenverhältnis an 1 ist, desto stärker der gemessene Zusammenhang. Die Tai-Chi-Gruppe zeigte im Vergleich zu beiden anderen Gruppen Verbesserungen der depressiven Symptome (Warteliste OR 2,11, Lerngruppe OR 8,90). Auch die Remissionsrate der Tai-Chi-Gruppe erschien höher als die der Warteliste (OR 3,01), und, wenn auch schwächer, im Vergleich zur Lerngruppe (OR 4,4).

Als primäre Behandlung erschien Tai-Chi also bei chinesisch-stämmigen Amerikanern mit Depression besser zu helfen als passives Warten und aktives, nicht-sportliches Lernen.

https://www.beilit.de/2017/09113/schattenboxen-gegen-depression-pilotstudie-deutet-...

15.09.2017 Beilit - Literaturportal I Schattenboxen gegen Depression

Referenzen: Yeung AS, Feng R, Kim DJH, Wayne PM, Yeh GY, Baer L, Lee OE, Denninger JW, Senson H, Fricchione GL, Alpert
J, Fava M. A Pilot, Randomized Controlled Study of Tai Chi With Passive and Active Controls in the Treatment of
Depressed Chinese Americans. J Clin Psychiatry. 2017 May;78(5):e522-e528. doi: 10A088/JCP.16m10772.

Zum originalen Volltext-Artikel: http://www.psychiatristcom/JC P/articie/Pages/2017/v78nOS/v78nOS07 .aspx

nostra.

Qi Gong und depressives Gedächtnis

 Neue Forschungsarbeit von Prof. Michalak gibt Hinweis auf therapeutische Ansatzpunkte

Fast jeder fünfte Deutsche leidet irgendwann im Leben an einer Depression. Forschungsarbeiten in den letzten Jahren haben gezeigt, dass ein wichtiger Faktor bei Depressionen, spezifische Störungen des Gedächtnisses sind. So erinnern sich Depressive vor allem an Negatives, während Nicht-Depressive sich vor allem an positive Dinge erinnern.

Außerdem haben Depressive Schwierigkeiten sich an spezifische Ergebnisse aus ihrem Leben zu erinnern, also etwa konkrete Ereignisse, die an einem Tag und an einem Ort stattgefunden haben. Ihre Erinnerungen sind häufig eher vage und unkonkret.

In einer jetzt veröffentlichten Studie haben Forscher um den Wittener Psychologen Johannes Michalak untersucht, wie sich das Gedächtnis von Depressiven wieder normalisieren lässt. Dazu haben sie auf Qi Gong, Bewegungsübungen aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin, zurückgegriffen. Vierzig in einer psychiatrischen Klinik behandelte depressive Patienten führten für einige Minuten entweder eine öffnende, nach oben gerichtet Qi Gong Bewegung aus oder eine nach unten gerichtete schließende Qi Gong Bewegung. Michalak „Normalerweise zeigen Depressive eher eine zusammengesunkene Körperhaltung und sie fühlen sich auch körperlich niedergeschlagen. Wir sind daher davon ausgegangen, dass sie von einer Bewegung, die diese Tendenz ausgleicht, also einer nach oben gerichteten Qi Gong Bewegung, profitieren sollten, nicht jedoch von einer nach unten gerichteten Qi Gong Bewegung.“ Diese Idee wurde von einer Vielzahl von Forschungsarbeiten aus der Grundlagenforschung inspiriert, die zeigen, dass Körperhaltung oder -bewegung und psychische Prozesse sich häufig wechselseitig beeinflussen.

In der Studie zeigte sich das erwartete Ergebnis: Depressive, die die nach oben gerichtete Qi Gong Bewegung ausgeführt hatten, erinnerten sich vermehrt an positive Gedächtnisinhalte und hatten auch besseren Zugriff auf spezifische Erinnerung aus ihrem Leben. Michalak: „Dies war natürlich erst mal nur ein kurzes Experiment, mit dem wir zeigen konnte, dass bestimmte aufrichtende Bewegungen sich günstig auf das depressive Gedächtnis auswirken. Es zeigt noch nicht, dass man mit solchen Bewegungen depressive Patienten auch behandeln kann. Aber es sind erste ermutigende Befunde, die nahelegen, dass man die Rolle des Köpers und von ‚antidepressiven’ Bewegungen als möglichen therapeutischen Zugang in Zukunft noch besser erforschen sollte.“

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.500 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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Publikation: Michalak, J., Chatinyan, A. , Chourib, H. & Teismann, T. (2018). The impact of upward vs. downward movement patterns on memory characteristics of depressed individuals. Psychopathology, 51, 326-334.

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